Ludwig H. Rinnstein ist tot
Ein längst überfälliger Nachruf auf einen Mann der dem Tod sprichwörtlich seit Jahrzehnten die Stirn geboten hat. Ludwig H. Rinnstein schaffte es als Sargträger, in 44 Jahren, in weit über 1000 Gräber zu fallen. In Sterblitz geboren, zog es ihn früh in den Bann von Beerdigungen. Sympathisch und eher unauffällig lebte er mitten unter uns und ahnte anfangs nichts von seiner Neigung. Die ersten Jahre fiel er nur beim Zuschütten des Grabes hinein, später dann, als Sargträger.
Ludwig H. Rinnstein stürzte oft unter lautem Geschrei der trauernden Gemeinde. Manchmal fiel er sogar mit dem Sarg in die Kuhle. Natürlich verlor er irgendwann den Posten des Trägers, doch er plumpste auch als Trauergast in die Kuhle. Kaum nahm er nach dem pastoralen Segen die Schaufel und sprach: "Erde zu Erde und Asche zu Asche", schon stürzte er in das Grab. Des Öfteren verhinderte nur der Sargschmuck größere Verletzungen.
Sein merkwürdiges Talent sprach sich natürlich herum und wenn es der Kirche zu bunt wurde, enthob sie ihn von seinen Posten. Das tat seiner Leidenschaft keinen Abbruch. Er wurde nämlich über eine Ich- AG Deutschlands erster freiberuflicher Sargträger und zog von Sterblitz nach Tödtenried und Todenhausen bis hin nach Berlin.
In Berlin wurde Ludwig H. Rinnstein dann nach einem spektakulären Sturz zu einer bundesweiten Berühmtheit. Er wurde als Sargträger des Schriftstellers Gunter Gas berufen und stürzte mit dem Sarg in die Gruft. Der Aufprall wurde zu einer medizinischen Sensation. Gunter Gas erwachte nach fünf Tagen. "Ludwig Rinnstein erweckt scheintoten Literaten", diese und andere Titelzeilen zierten Deutschlands Boulevardpresse.
Von nun an häuften sich Einladungen auf Beerdigungen in ganz Europa und damit die unabsichtlichen Stürze.
Er schenkte ab 1989 über 300 Scheintoten das Leben, die durch den Aufschlag wach wurden. Den Vorwurf der Scharlatanerie erhaben, bedachte er alle Sicherungen die ihm bei den Beerdigungen auferlegt wurden. Der Papst stellte eine Seligsprechung in Aussicht. Es gab mit Recht massive Proteste Alle wiedererweckten Menschen waren Mörder. "Gunter Gas war kein Mörder", tönten die Medien. Ludwig Hart Rinnstein, genannt Harry Rinne, legte daraufhin seinen Beruf nieder und zog sich in die Privatsphäre zurück. Er starb nun am 20. Januar 2007 während der Beerdigung seiner Frau Lisa. Er stürzte nicht in ihr Grab sondern erlitt einen Herzschlag als er ihre Grabstelle verließ.
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